Olivenöl
Heute besteht ein großes Interesse für saubere Lebensmittel und das Olivenöl "extravergine" entspricht, sofern es nicht manipuliert wurde, genau diesen Kriterien.
Das Olivenöl "extravergine" ist das einzige Fett, welches direkt aus der Frucht gewonnen, und als solches konsumiert wird.
Es gibt keine gleichwertigen Produkte, weder bei den tierischen Fetten noch bei den Samenölen, dank der Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Fettsäuren und der vorbeugenden Eigenschaften gegen Herz- Kreislauferkrankungen.
Trotzdem besteht eine große Unwissenheit über dieses Produkt, und auch fachkundige, lassen sich von Bezeichnungen wie "kaltgepresst" auf dem Etikett beirren, und interessieren sich nicht für wesentliche Informationen wie: woher kommt das Olivenöl und aus welcher Sorte wurde es hergestellt?
Man mag vielleicht Wissen, dass Olivenöl qualitativ minder ist als das "extravergine". Aber wer kennt den Unterschied zwischen "extravergine", "vergine", "lampante" und "sansa"? (die jeweilige Erklärung zu diesen Begriffen, findet man am Ende dieses Berichtes)
Leider wird ein Großteil der Produktion von "extravergine" mit minderwertigen Ölen hergestellt. Man nimmt "olio lampante", mischt dieses mit "extravergine" bis man die gesetzlich vorgegebenen Werte erreicht und verkauft es im Supermarkt zu lächerlichen Preisen von 2 bis 3 Euro. Das geht nur durch Manipulation.
Es bestünde die Möglichkeit diesen Schwindel aufzudecken, aber es fehlt der politische Wille. In den Schubladen des Ministeriums liegen zwei Studien von namhaften Instituten wie l'Agrobios von Metaponto auf, welche ein System entwickelt haben, mit welchem das Öl auf Herkunft und Inhalt geprüft werden kann. Aber niemand spricht davon. Der Olivenölmarkt ist fest in der Hand der Großkonzerne.
Über Wein wissen wir sehr viel. Über Olivenöl fast nichts.
Es gibt keine konkreten Bestimmungen für Olivenöl. Nicht einmal die Herkunft der Oliven muß auf dem Etikett angeführt werden.
Wenn wir die DOP (Geschützte Ürsprungsbezeichnung) Olivenöle ausschließen, deren Produktion weniger als 1 % der nationalen Herstellung von "extravergine" ausmacht, bleibt nur die wage Garantie der Bezeichnung "made in Italy".
So kann ein italienischer Produzent nach belieben die Olivenöle von überall beziehen, abfüllen und ohne jegliche Hinweise auf dem Etikett, in der eigenen Flasche verkaufen. Eine komplette Amnesie einer Gesetzgebung, welche der Lobby der Olivenölkonzerne unterliegt.
Italien ist die Drehscheibe auf dem weltweiten Olivenölmarkt. Nach Spanien, mit einer Produktion von über 500.000 Tonnen, produziert Italien ca. 400.000 Tonnen und importiert zusätzliche 400.000 Tonnen vorwiegend aus Spanien, Griechenland, Tunesien und der Türkei. Mehr als die Hälfte ist "olio vergine", der Rest "olio lampante, raffiniertes Olivenöl und "olio di sansa".
Es gibt auch kleinere Olivenölproduzenten, welche keine Hemmungen haben, Oliven aus anderen Regionen, wo die Erträge größer und die Preise niedriger sind, einzukaufen.
Leider ist Olivenöl ein Produkt, welches leicht zu manipulieren, aber dessen Manipulationen sehr schwer nachweißbar ist. Für diese illegalen Manipulationen verwendet man genmanipuliertes Sonnenblumenöl, umgeestertes Palmenöl,"sansa", Traubenkernöl und Haselnussöl.
In Italien gibt es über 500 Cultivar, (verschiedene Sorten). Jede Sorte hat eigene Charakteristiken, geprägt vom Terroir und dem Mikroklima. Trotzdem kaufen wir ein Olivenöl, ohne Beachtung der Sorte, wie Moraiolo, Leccino, Frantoio, Taggiasca, Ogliara, Pendolino, und Negrel, um nur einige zu nennen, wobei wir beim Einkauf eines Weines sehr wohl auf Sorte, Herkunft und Anpassung schauen.
Die DOP Bezeichnung ist ein relativ guter Schutz gegen Manipulationen. Aber es reicht nicht, wenn der Konsument darauf nicht achtet. Wir können die Marktsituation nur verändern, wenn wir einen kritischen Konsumenten haben, der Qualität erkennt und auch bereit ist den Preis dafür zu bezahlen.
Im Prinzip ist die Herstellung von Olivenöl sehr einfach. Man erntet die Oliven ohne diese zu verletzen und presst so schnell als möglich das Öl daraus. Alles andere sind überflüssige Manipulationen und schädlich für die Qualität.
Erklärung zu den Begriffen "extravergine, vergine, lampante und sansa"
1. In erster Linie finden wir die Olivenöle der Familie "vergine". Das "extravergine", das "vergine" und das "vergine lampante". Diese Produkte werden ausschließlich durch mechanische und physische Abläufe hergestellt, und unterscheiden sich voneinander durch verschiedene Anteile an freien Fettsäuren und Peroxide. Nur das Olivenöl "extravergine" unterliegt einer organoleptischen Prüfung.
Im Handel dürfen nur das "extravergine" und das "vergine" verkauft werden, wobei man das "vergine" nie vorfindet. Der Grund liegt daran, dass minderwertiges Olivenöl mit hochwertigerem Olivenöl aufgebessert wird. Beispiel: man nimmt einen Liter "vergine" mit einem Fettsäuregehalt von 1,2 ,mischt es mit einem Liter hochwertigen "extravergine" mit einem Fettsäuregehalt von 0,4 und bekommt so zwei Liter extravergine mit einem Fettsäuregehalt von 0,8. Dies ist der maximal zugelassene Höchstwert für "extravergine".
2. Dann gibt es die "oli di oliva". In diesem Fall reicht das Pressen der Oliven nicht mehr. Es kommen industrielle Verarbeitungsverfahren zum Einsatz. Man nimmt das "vergine lampante" (dieses Öl wurde einmal als Brennstoff für Öllampen verwendet), welches nicht genießbar ist, und unterzieht es einer radikalen chemischen Behandlung. So wird das "lampante" organoleptisch neutralisiert, d.h. es wird farblos, geruchlos und geschmacklos gemacht.
Diesem Öl wird durch das Hinzufügen von "olio vergine" eine Identität gegeben, um so in den Handel gelangen zu können.
3. Zum Schluss kommen die Öle "sansa". Die Rückstände der Oliven (sansa) enthalten ca. 5% Öl, welches mittels Raffination entzogen wird. Auch diese Öle gelangen wiederum durch eine Mischung von "olio vergine" auf den Markt.


